4 Jahre ist es nun her, das ich zum ersten Mal ein Seil zum Zwecke des Fesselns in den Händen hielt. Aus Kunststoff war es, geflochten und mehrfarbig.
Das, sowie die darauf folgenden roten, gelben und schwarzen Seile aus dem Baumarkt erfüllen ihren Zweck sehr gut und mit etwas Fantasie und Fingerfertigkeit ließen sich ansprechende und ausbruchsichere Fesselungen fertigen.
Andere Materialien und Hilfsmittel wie Ketten oder Handschellen kamen für mich nie in Frage, da sie mich in Flexibilität und Kreativität einschränkten. Seile lassen sich an allen Stellen des Körpers einsetzen; einschließlich Mund und Genitalien.
Meine Sub und Partnerin, die bis dato kaum mit Seilen in Berührung kam, kam sehr schnell auf den Geschmack und fand zunehmend Gefallen an dem Gefühl von Seil auf nackter Haut und dem totalen Ausgeliefertsein.
Die Mitgliedschaft in einer Internet-Community und die daraus resultierende Lektüre einschlägiger Themen, sowie das Betrachten der Bilder der sehr fortgeschrittenen Rigger, ließen mich zu Hanfseil wechseln. Durch angeregte Kommunikation und das Durchforsten diverser Hompages wusste ich bald, dass diese ansprechenden Hanfseilfesslungen Shibari bzw. Kinbaku genannt wurde und ihren Ursprung im japanischen Mittelalter haben, wo sie als Kriegskunst und Foltermethode angewandt wurde.
Heute finden diese Fesselungen in erotisch abgewandelter Form ihre Verwendung im Sado-masochistischen Genre, oder als künstlerische Body-Performances in Bühnenshows.
Es war auf der Bound con o5, als ich einem gewissen Herrn Pech auf die Finger schaute, um wenige Tage später zu Hause mein erstes Zuri (Hängebondage) zu fertigen. Sowohl ich, als auch meine Partnerin waren mächtig stolz und so wurde ich angespornt weitere Tutorialseiten anzusehen und mir weitere Kenntnisse anzueignen. Von damals bis heute verliefen meine Fortschritte rein autodidaktisch; das heißt ich nahm keinerlei Hilfe z.B. Workshops in Anspruch.
Einige Kenntnisserweiterungen stammen allerdings durch Inspiration von den Bildern der Meister.
Mein Seil
... ist die sinnliche Verbindung zwischen mir und meinem Partner
... ist zugleich Handwerkszeug und erotische Stimmulanz in Einem
... es erzeugt Lust und Schmerz
... es ist etwas sehr beziehungsbezogenes, etwas sehr persönliches
Aus diesem Grund und auch weil ein Seil nach der relativ aufwendigen Prozedur des Finishens eine Seele hat, fertige ich Seilsets für Fremde nur in Ausnahmefällen an.
Um einen angenehmen „Tragekomfort“ und eine schöne Optik zu gewährleisten werden meine Seile vor dem Waschen von groben Flusen und Spelzen befreit. Dieses geschieht durch Abflammen mittels eines Gaskochers aus dem Campingbedarf. Besonders grobe Spelzen werden mittels Pinzette entfernt.
Meine Seile werden nicht, wie in manchen Anleitungen beschrieben, stundenlang gekocht, sondern bei 95°C in der Waschmaschine gewaschen und mit handelsüblichem Weichspüler gespült. Die Seile werden danach zum Trocknen auf einen Rahmen gespannt um im Laufe des Trocknungsprozesses die ursprüngliche Länge wieder zu erreichen (Hanf läuft im nassen Zustand ein). Je nach Temperatur oder Witterung ist das Seil nach ca. 3 Tagen durchgetrocknet und wird mit Lederfett mit Bienenwachsanteil oder Babyöl eingerieben. Um das Seil vor der ersten Benutzung schön geschmeidig zu machen walkt man es mehrfach durch den Bondagering, Karabiner oder Ähnlichem.
Es gibt Rigger die das Abflammen und Waschen in umgekehrter Reihenfolge handhaben damit das Seil beim Waschen nicht wieder Flusen aufwirft. Ich persönlich möchte aber den Ruß nicht am Seil belassen und wasche danach. Beides hat seine Vor- und Nachteile, bleibt somit jedem selbst überlassen.
Es sei noch angemerkt, dass jeder weitere Waschvorgang das Seil schwächt insbesondere auch das stundenlange Kochen beim Finishen.
Färben lässt sich das Seil problemlos mit Textilfarbe Simplicol.
Weitere von mir verwendete Fesselmaterialien sind Juteseile, Jutebänder und Satinbänder.
update 1. November '09:
Nach vielen hundert Metern Seil, Lieferanten aus vier Ländern und unzähligen chargen,
ist es an der Zeit, hier mal einige Erfahrungen zu posten.
Mittlerweile flämme ich nach dem Waschen, und ziehe dabei das Seil durch einen Stoffhandschuh aus dem Baumarkt, um den Ruß gleich zu beseitigen. Der verkohlte Geruch verschwindet nach dem Fetten/Ölen nach kurzer Zeit.
Ich verwende beim Waschen in der Maschine mittlerweile kein Waschmittel mehr (dieses bleicht das Seil),sondern Haar-shampoo.
Die Qualität der Seilrohware der einzelnen Lieferanten, und auch eines Lieferanten, fällt oft denkbar unterschiedlich aus; so gibt es Hersteller, die ihre Ware relativ locker drehen, sodass das Seil beim Waschen in der Maschine SCHADEN NIMMT, und sich aufdreht. Hier sollte man das Seil im Topf kochen!
Da man bei der ersten Inaugenscheinnahme nur einen optischen Eindruck gewinnt; hier ein Tipp, wie man ein fest gedrehtes Seil erkennt.
Nimm ca. 4-5cm des Seils zwischen die Finger beider Hände, und verdrehe es gegen die Drehrichtung. Wenn du es ohne viel Kraftaufwand so weit aufdrehen kannst, dass du hindurchschauen kannst, dann ist es locker gedreht.
Fest gedreht ist es, wenn du viel Kraft aufwenden mußt, und trotzdem nicht durchschauen kannst.
Beide Qualitätsarten haben Vor,- und Nachteile.
Ein lockeres Seil ist von Anfang an flexibler und biegsamer, und läßt sich somit beim Fesseln prima handeln
Nachteil: es fusselt deutlich schneller wieder auf, und ist nicht so haltbar.
Die Vorteile eines festen Seils:
Es fusselt weniger und ist auch nach mehrmaligem Waschen in der Maschine nicht kaputt zu kriegen; man hat also länger `was davon.
Nachteile:
Es wird erst nach 2-3 mal Waschen weich und flexibel.
es ist sehr form,- und druckstabil, was das Durchholen unter anderen Seillagen mit dem Finger erschwert.
Formstabilität kann aber bei Fotoshootings von Vorteil sein.
Ende update
